06.03.2003:
DGB und GEW fordern Umsteuern in der Schulfinanzierung - Haas: PISA muss Konsequenzen haben – Jetzt!
"Für eine Neuausrichtung der Bildungspolitik in NRW müssen mögliche Finanzreserven identifiziert werden. Diese finanziellen Mittel sollen zu Gunsten der Grundschulen umgeschichtet werden. Wir müssen da ansetzten, wo Chancenungleichheit entsteht. Die neuesten PISA-Ergebnisse unterstreichen diese Notwendigkeit", mit diesen Worten hat der DGB-Bezirksvorsitzende Walter Haas gemeinsam mit dem GEW-Vorsitzenden Dr. Jürgen Schmitter heute in Düsseldorf einen Katalog mit 11 Punkten der Öffentlichkeit vorgestellt, der erhebliche Umschichtungspotenziale beinhaltet.
"Das ist kein Sparkatalog. Wir wollen neue Prioritäten setzen," so Dr. Jürgen Schmitter. Dabei habe man sich ohne Tabus den Fragen gestellt, Fehlsteuerungen im Schulsystem benannt, um gegensteuern zu können.
Konkret nannten Haas und Schmitter folgende Punkte:
- Der Sonderschulsektor muss auf den Prüfstand. Die Lernbehindertenquote muss zu Gunsten einer integrativen Beschulung eingeschränkt werden.
- Eine Anhebung der Schüler/Lehrer-Relation in der gymnasialen Oberstufe von 14,0 auf 16,5 ist zu prüfen. Kleinstkurse sollten der Vergangenheit angehören.
- Die Stundentafel müsse überarbeitet werden. Anstelle des reinen Englischunterrichtes könnten Fächer z.T. in bilingualer Form unterrichtet werden.
- Sitzenbleiben und Aussortieren in andere Schulformen ist drastisch zu reduzieren.
- Bildungsgänge im Berufskolleg, die reinen Aufbewahrungscharakter haben und keinen bildungspolitischen Mehrwert beinhalten, sind durch betriebsnahe und ausbildungsrelevante Maßnahmen zu ersetzen.
- Die Straffung der berufschulischen Angebote solle voran getrieben werden. Mehrfache Warteschleifen sollen zu Gunsten optimierter Bildungsgänge reduziert werden.
- Der Einsatz nicht pädagogischen Personals in Schulen für nicht pädagogische Aufgaben soll verstärkt werden.
- Eine neue Arbeitsteilung der im Schulsystem Beschäftigten soll zu einer effektiveren Arbeit im pädagogischen Bereich führen.
- Ein effektiveres Steuerungsinstrument zur Erfassung der Schülerzahlen könne Fehlsteuerungen vermeiden und zu einem besseren und pädagogisch sinnvolleren Einsatz der Lehrkräfte führen.
- Die Auflösung der Schulaufsicht bei den Bezirksregierungen und Verlagerung von Aufgaben auf die Schulämter vor Ort solle geprüft werden.
- Das überkommene System bisheriger Funktions- und Beförderungsstellen sowie Zulagen wird zur Disposition gestellt und eine quantitative Auswertung eingefordert.
Bei Umsetzung der Vorschläge rechnen DGB und GEW mit einem Potenzial von mindestens 5.000 Lehrerstellen, die kurz-, mittel- und langfristig im Elementarbereich und in der Grundschule eingesetzt werden könnten.
"Der Schulbereich ist chronisch unterfinanziert. Als politische Realisten gehen wir aber nicht davon aus, dass eine drastische Aufstockung der Haushaltsmittel gegenwärtig durchsetzbar ist. Deshalb unser Ansatz, über pädagogisch sinnvolle, ja notwendige Umverteilung zu mehr Effektivität zu kommen. Wir bieten der Schulministerin für diese schwierige Aufgabe unsere Zusammenarbeit an", so Haas abschließend.
Dabei müsse man vom Gießkannenprinzip Abschied nehmen. Vorrangig seien die Schulen zu unterstützen, die sich in sozial benachteiligten Stadtteilen befinden. Pisa E II habe die sehr schwierige Situation der Schulen verdeutlicht, in denen überproportional viele Kinder aus Migrantenfamilien lernen. Der DGB distanzierte sich in diesem Zusammenhängen auch von Vorschlägen den Ausländeranteil in den Schulen zu quotieren. Förderprogramme seien hier sinnvoller, weil sie den Lerndefiziten entgegensteuern.






